Workshops
Deutschsprachige Workshops

ZEIT MONTIEREN – VON VERSCHACHTELUNG, VERSCHMELZUNG UND CO.
Freitag, 16.10.2026, 10:00-13:30 Uhr
Dozent: Stefan Stabenow
Die Möglichkeit der Engführung verschiedener Zeitebenen – etwa in Form von Parallelmontagen – ist ein faszinierendes Mittel der Montage: Es erinnert an das menschliche Bewusstsein, das jederzeit zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Projektionen in die Zukunft „changieren“ kann.
Oft sind solch verschachtelte Konstruktionen in Drehbüchern nur angedeutet oder ganz ausgespart. Filmisches Material eröffnet aber mitunter unvorhergesehen Möglichkeitsräume, Zeitebenen miteinander zu verschmelzen. Aufeinander folgende Bilder schichten sich dabei in der Wahrnehmung wie zu einem „Akkord“, analog zum gebrochenen Akkord in der Musik, dem „Arpeggio“. Die Nähe zu Ausdrucksformen des Unbewussten wie in Traum- und Erinnerungswelten, eine magische Qualität des filmischen Mediums, wird hier besonders deutlich.
Was für Eigenschaften filmischen Materials zeitlich changierende Konstruktionen natürlich erscheinen lassen – und welche Denkmodelle hierfür hilfreich sind, wird dieser Workshop anhand von konkreten Beispielen aus den Filmen „Wir wären andere Menschen“ von Jan Bonny (Grimmepreis, Nominierung Deutscher Kamerapreis für die beste Montage) und „La mort viendra“ von Christoph Hochhäusler (Locarno Film Festival) veranschaulichen.
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GEMEINSAM HÖREN, GEMEINSAM GESTALTEN - TON, MONTAGE UND DIE GEMEINSAME SPRACHE DES FILMISCHEN ERZÄHLENS
Freitag, 16.10.2026, 10:00-13:30 Uhr
Dozent: Jakob Mäsel
Filme entstehen arbeitsteilig – ihre Wirkung entfaltet sich gemeinsam: Rhythmus, Atmosphäre, Perspektive, Spannung oder das innere Erleben einer Figur lassen sich selten eindeutig einem einzelnen Gewerk zuordnen. Dennoch sprechen Drehbuch, Regie, Montage und Sounddesign im Arbeitsprozess häufig unterschiedliche Sprachen.
Dieser Workshop beschäftigt sich mit der Frage, wie Tondramaturgie bereits in der Stoffentwicklung gedacht und als gemeinsames erzählerisches Werkzeug genutzt werden kann und überträgt diesen Ansatz auf die Zusammenarbeit weiterer Gewerke: Wie können wir gemeinsam hören, bevor jede Abteilung beginnt, in ihren eigenen Lösungen zu denken?
Ausgehend von Filmbeispielen und praktischen Übungen untersucht der Workshop, wie Ton und Montage Figurenwahrnehmung, Raum, Rhythmus und dramaturgische Struktur erzeugen. Dabei geht es weniger um technische Kategorien als um die Übersetzung von Wahrnehmung und erzählerischer Absicht: Wie beschreibt man im Drehbuch einen Klang, ohne Sounddesign vorzuschreiben? Wie kommuniziert die Filmmontage eine Idee für Ton oder Musik? Wie kann Sounddesign wiederum einen dramaturgischen Gedanken formulieren, der für Regie, Schnitt oder Redaktion verständlich ist?
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GREEN POSTPRODUCTION – NACHHALTIG AGIEREN AUCH NACH DEM DREH
Freitag, 16.10.2026, 14:30-18:00 Uhr
Dozent: Carsten Schuffert
Wie lässt sich die Postproduktion von Film- und Medienprojekten ökologisch, wirtschaftlich und sozial nachhaltig gestalten? Der Workshop vermittelt praxisnah, wo relevante Emissionen entstehen und welche Stellschrauben besonders wirksam sind. Im Fokus stehen Green IT, Datencenter, ressourcenschonende Workflows, Energieversorgung und Kühlung sowie Gebäude und Arbeitsplätze. Die Teilnehmenden betrachten den gesamten Prozess – von Datenakquise, Codecs und Speichervolumen über Datentransfer, Cloud und VFX bis zu Virtual Production, KI, Mastering und Ausspielung. Anhand konkreter Beispiele werden Energiebedarf, CO₂-Emissionen und Kosten sichtbar gemacht. Zudem geht es um nachhaltige Beschaffung, Mobilität, Versand, Unterbringung und den Lebenszyklus technischer Geräte. Ziel ist ein realistischer Maßnahmenplan für die eigene Praxis: technisch sinnvoll, finanzierbar und messbar wirksam. Der Workshop richtet sich an Postproduktionsverantwortliche und alle Filmschaffende aus Editing, Sounddesign, Postproductionsupervising, Produktion, Redaktion, Ausbildung und Green Consulting, die Nachhaltigkeit bis zum fertigen Film umsetzen möchten.
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DEN FILM SCHNEIDEN, BEVOR ER EXISTIERT – MONTAGE IM ANIMADOK
Freitag, 16.10.2026, 14:30-18:00 Uhr
Dozent: Ali Soozandeh
Wie schneidet man Material, das noch gar nicht existiert? Im animierten Dokumentarfilm gehört genau diese Frage zum Arbeitsalltag: Der Großteil der visuellen Welt entsteht erst lange nachdem die Entscheidungen im Schnittraum gefallen sind. Das eröffnet völlig neue erzählerische Freiheiten. Animation bringt Dinge auf die Leinwand, an denen die Kamera scheitert: Sie macht innere Zustände oder verblasste Erinnerungen greifbar, wahrt die Anonymität sensibler Personen und schafft die nötige Distanz für schwierige Stoffe. Ganz nebenbei fügt sie unterschiedlichste Archivquellen zu einem stimmigen visuellen Gesamtbild zusammen.
Aber das Format fordert von Editor*innen ein ganz eigenes Handwerk: Die erste Fassung steht fast ausschließlich auf dem Fundament aus O-Tönen, Sounddesign und schemenhaften Animatics. Timing, Dramaturgie und emotionale Bögen müssen sitzen, bevor der erste Pinselstrich gezeichnet wird – denn steht der Picture Lock einmal, gibt es kaum noch ein Zurück.
In diesem Seminar schauen wir uns diesen speziellen Workflow anhand konkreter Animadok-Projekte wie „The Green Wave“ und „Camp 14“ an und sprechen über das oft knifflige Zusammenspiel von Schnitt und Animation. Schlüsselentscheidungen im Montageprozess werden beleuchtet und zeigen, wie ein Film Schicht für Schicht Gestalt annimmt, wenn die Bilder erst im Nachgang entstehen.
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EVERY CUT IS THE TRUTH - FINDING YOUR APPROACH TO CHARACTERS IN DOCUMENTARY EDITING
Friday, 16.10.2026, 14:30-18:00 Uhr
Lecturer: Hilde Bjørnstad
If, as Godard put it, “every cut is a lie”, can every cut also be a truth? In documentary editing, every decision about what to show, what to leave out and how to frame a character shapes the audience’s perception of a real person. How can editors protect their characters while aiming to tell the truth?
When editing documentaries, it is not always clear where a character’s story will lead. The shoot may still be ongoing, waiting for a breakthrough moment that never comes. There may be multiple characters with conflicting outcomes, or perhaps no single main character at all.
So where in the material do you start to fully understand the characters, and how and when do you introduce them? How do you balance what an editor wants to reveal with what the audience needs to understand? And sometimes: should a character stay or should they go?
These questions will be explored through two films edited by Norwegian film editor Hilde Bjørnstad: HEX (2026), about three young women forming the feminist black metal band Witch Club Satan, and Punishment (2024), following four inmates on a silent Jesuit retreat inside a high-security prison.
Comparing different versions of the films’ opening sequences, the workshop will trace the journey from early cuts to the final versions and invite participants to analyze and discuss the editorial choices that shape documentary characters.
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EVERYTHING YOU WANT IS ON THE OTHER SIDE OF FEAR
Masterclass – ganztägig
Friday, 16.10., 12.00-17.00
Lecturer: Elísabet Ronaldsdóttir
People often ask what the difference is between editing European independent films and Hollywood blockbusters. Truth be told, when it comes to the art of editing, there is no difference. Storytelling is storytelling. The challenge is always to find the emotional truth of a scene, the rhythm of a sequence, and shape a story worth telling. What is different ist he level of resources, expectations, and politics. More expectations and more politics can be difficult to navigate. For us editors, that means we have to be fearless, or at least pretend to be.
Every cut, every shift in tone, every structural change requires us to trust our instincts. Directors and producers count on those instincts. Yet it's easy to doubt yourself when you're surrounded by competing opinions, conflicting notes, and test-screening data that can be difficult to decipher. Learning how to navigate those conversations while staying connected to your own creative voice is an essential part of the job.
Success is rarely about having all the answers. More often, it comes from having the courage to enter the conversation, the courage to embrace doubt as part of the process, and the courage to keep your instincts sharp and well-trained.
Because if you want to thrive as an editor, everything you need may indeed be on the other side of fear.