EdiMotion23. – 26. Oktober 2020

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Schnitt und Schlag – Modellmontage Boxkampf

Vortrag: Georg Seeßlen

Ein Boxkampf ist eine kinematographische Modellsituation, die perfekte Vor-Inszenierung von Bild- und Bewegungsräumen, die perfekte Dramaturgie von Schlag, Gegen-Schlag, Unterbrechung und sicherer Zeugenschaft durch das Publikum.

Wo die Montage verschiedenster modellhaften Einstellungen zunächst fast als Grundübung der Montage scheint, wartet tatsächlich besondere Herausforderungen: „Mogeln“ ist keine Option, die Montage erzeugt eine zweite Bedeutungsebene jenseits des äußeren Dramas. Erzählt man einen Kampf gut gegen böse? Ist es eine tragische Situation ohne Ausweg? Handelt es sich um eine Parodie auf Schicksal und Residenz? Und wir? Ist unser Blick sadistisch-genüßlich, mitleidend, fatalistisch, parteilich?

Einen Boxkampf montieren, heißt mit jeder noch so kleinen Entscheidung einen emotionalen und moralischen Eingriff in ein archaisches und festgelegtes Ritual vorzunehmen. Beschleunigung, Retardierung, Wiederholung, Subjektivierung, Distanzierung, Fluss oder Bruch, alles ist hier Teil einer emotionalen Achterbahn, oft mit dem Ziel, diesen Kampf mehr zu erleben als nur anzusehen. Und wo die Möglichkeiten der Montage ebenso reichhaltig wie kanonisiert sind, da sind auch die Gefahren groß: Boxkämpfe können sehr leicht statt emotional auch ideologisch inszeniert und montiert werden, zur Konstruktion heroischer Männlichkeit etwa, oder zu einem Kampf der Systeme.

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