EdiMotion23. – 26. Oktober 2020

André Hammesfahr / Jürgen WinkelblechAndré Hammesfahr / Jürgen Winkelblech

Spiel, Satz, Schnitt – Montage von Sportdokumentarfilmen

Gäste: André Hammesfahr, Jürgen Winkelblech

Zum Sporttreiben gehört neben der Bewegung seit jeher das Zuschauen. Auch der Mediensport ist längst mit seinen Ritualen und Symbolen als Element von Alltagsleben und Popkultur ein eigenständiges Genre – mit einer ganz speziellen Dramaturgie in der Inszenierung von Bewegung und der Emotionalisierung des Publikums: Ein auf den Ausgang des Wettkampf gerichteter Spannungsbogen, aber auch Möglichkeit zu individueller Interpretation und Identifikation in begleitenden Trainingsszenen oder Close ups der sich mimisch spiegelnden inneren und äußeren Kämpfe der Idole.
Der Dokumentarfilm nimmt sich – im Gegensatz zum Mediensport – auch über die sportliche Inszenierung hinaus Zeit für die Protagonisten, schaut genau hin, wartet ab. Spiegelt sich dennoch der Kanon der gängigen medialen Bilder und Schnittfolgen in Kinodokumentarfilmen über Sportler? Welche eigenständigen Akzente setzen sie, wo bedienen sie sich der klassischen Mittel zur Steigerung der Dramatik, wo wird bewusst konterkariert? Wie wird der Kontext eben jener klassischen, im Kern immer der Narration von Gewinnen und Verlieren oder einer spezifischen Athletenkarriere dienenden Montagesequenzen erweitert oder umgewertet, wodurch wird ein Dokumentarfilm mehr als das plakatives rise and fall einer Sportlerlaufbahn durch zahlreiche Wettkämpfe, die Spannung eine tiefer gehende als der reine Zieleinlauf? Und welche Rolle nimmt jeweils das Publikum ein – ist die Bewegungsstudie als sportliche Erotik filmische Wirkabsicht, unterhält ein bewusst gesetzter filmischer Kontrast von Welten oder gelingt es sogar, aus der sportlichen Bewegung heraus den Blick auf gesellschaftliche Zusammenhänge und universelle Themen zu lenken? So porträtiert etwa Herbstgold fünf Athleten – alle zwischen 80 und 100 Jahre alt – in der Vorbereitung auf die Leichtathletik-WM der Senioren in Finnland. Die Verbindung vertrauter athletischer Bewegungen mit von Verfall und Leistungsschwund geprägten Körpern kontextualisiert neu, an übliche Schnittweisen angelehnte Sequenzen von Training und Wettkampf, Rückschlägen und Triumphen werden zum Wettlauf gegen die Zeit und stellen ungewöhnliche Fragen. Auch Nowitzki. Der perfekte Wurf ist mehr als eine Reise durch die Stationen eines Sportlerlebens, mehr noch als die in der Montage versichtete Kontrastierung von Stagnation und Widerstand im Training mit der gigantischen Show der Play Offs der NBA. Aus den vielfältigen Möglichkeiten des Materials und einem dreistündigen Rohschnitt wurde schließlich die titelgebende Bewegung des von Nowitzkis langjährigem Trainer Holger Geschwindner entwickelten „perfekten Wurfs“ als emotionaler Motor destilliert und zur filmischen Kernerzählung rund um eine ungewöhnliche Freundschaft.

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