EdiMotion23. – 26. Oktober 2020

André Hammesfahr / Jürgen Winkelblech / Georg Seeßlen / Andrew Bird / Janine DauterichAndré Hammesfahr / Jürgen Winkelblech / Georg Seeßlen / Andrew Bird / Janine Dauterich

Die Panel zum Themenschwerpunkt finden dieses Jahr digital statt

Auch wenn der den neuen Festivalnamen spielerisch aufgreifende Themenschwerpunkt „Edi-Motion: Schnitte in Bewegung“ eigentlich etwas anderes meint: In Bewegung bleiben ist im bewegten Jahr 2020 auch für Festivals essentiell. In Zeiten täglich wechselnder Risikogebiete und sich ständig wandelnder Bestimmungen zu Beherbergungsverboten und Kinobestimmungen ist es schwer, darauf zu vertrauen, dass ein Festival allein als Präsenzvariante gelingen kann – eine Veranstaltungsform, die zudem momentan viele der langjährigen Festivalbesucher ausschließen würde. „Wichtig ist, flexibel zu bleiben ohne sich zu verbiegen. Herauszufinden, was man unter den neuen Umständen will und abklären, was möglich ist“, fasst unsere künstlerische Leiterin Kyra Scheurer die Strategie für Edimotion unter erschwerten Bedingungen zusammen.
Wir haben uns darum entschieden, sowohl ein Live-Festival als soziale Begegnungsstätte und das Kino als zentralen Ort des Filmerlebnisses zu erhalten, als auch größere Teilhabe für Akkreditierte aus dem In- und Ausland zu ermöglichen, die in diesem Jahr angesichts steigender Coronazahlen nicht den Weg nach Köln antreten können oder wollen. Zum zwanzigsten Jubiläum kann das Festival vor allem dank der Unterstützung des Landes NRW eine hybride Variante realisieren: Alle 15 Filme im Wettbewerb um die Schnitt Preise und weitere Screenings sind sowohl vor Ort mit den nominierten Editor*innen und Publikum im Kino, als auch über eine Online-Plattform zugänglich – und auch die live geführten Montagedialoge mit den Nominierten und der Ehrenpreisträgerin Karin Schöning werden aufgezeichnet und online für Akkreditierte zugänglich gemacht.

Die Sektion Themenschwerpunkt findet hingegen ausschließlich online statt – hier ermöglicht die Verlagerung der Diskussionsrunden und Vorträge ins Virtuelle eine verstärkte Sicherheit vor Ort durch verlängerte Lüftungspausen genauso wie eine gleichwertige Teilhabe von Live- und Online-Festivalgästen am virtuellen Dialog.

Themenschwerpunkt Edi-Motion

Der Themenschwerpunkt 2020 widmet sich unter dem Motto “Edi-Motion – Schnitte in Bewegung“ einer besonderen Dimension der Montage, ihrem Verhältnis zu der für das Medium Film wesensbestimmenden Bewegung. Wie verhält es sich mit filmischen Sujets, in denen Bewegung im Bild der Kern des Kunstwerks ist? In dem Tanz, Körper und (Wettkampf)-choreographien zentraler filmischer Betrachtungsgegenstand sind und doch mehr transportieren sollen als erotisch-unterhaltsamen Schauwert, Spannungsmomente im Zieleinlauf oder simple rise and fall-Dramaturgie? Die Sektion besteht aus einem Vortrag von Kultur- und Filmjournalist Georg Seeßlen und zwei Themenpaneln mit Gast-Editor*innen, die die Theorie des Filmschnitts und dessen Praxis in Bezug auf die Montage im Boxerfilm, im Tanzfilm und in Sportdokumentarfilmen reflektieren.

Programm Themenschwerpunkt 2020

Schnitt und Schlag – Modellmontage Boxkampf
Vortrag: Georg Seeßlen (Journalist mit den Schwerpunkten Film und Medienkritik)
Ein Boxkampf ist eine kinematographische Modellsituation, die perfekte Vorinszenierung von Bild- und Bewegungsräumen, die perfekte Dramaturgie von Schlag, Gegen-Schlag, Unterbrechung und sicherer Zeugenschaft durch das Publikum. Doch einen Boxkampf montieren heißt auch mit jeder noch so kleinen Entscheidung einen emotionalen und moralischen Eingriff vorzunehmen. Erzählt man einen Kampf gut gegen böse? Ist es eine tragische Situation ohne Ausweg? Ist unser Blick sadistisch-genüßlich, mitleidend, fatalistisch, parteilich?

Moves Montieren – Film-Tanz oder Tanzfilm?
Gäste: Andrew Bird, Janine Dauterich (Editor*innen)
Tanz und Film schaffen ihre Formen beide mit den Mitteln von Zeit, Raum und Bewegung. Und sind Film und Tanz bei einem Projekt gleichwertig, oder ist der Tanz bloße Illustration bzw. verharrt umgekehrt das Gezeigte ohne eigenständige Lösung vom beschränkten Theaterraum im „abgefilmten Tanz“? Jede Entscheidung im Montageprozess bezieht hier Stellung im Spannungsfeld von Film-Tanz und Tanzfilm. Janine Dauterich (Expertin für und Editorin von vielfältigen Tanzmontagen, z.B. „Embodied“, entwickelt in Kooperation mit dem ZDF Theaterkanal) und Editor Andrew Bird (zuletzt beratende Tätigkeit für Regisseurin Alla Kovgan bei der Montage des Porträt- und Tanzfilms „Cunningham“) loten mittels zahlreicher Ausschnitte die besondere Bedeutung der Montage für Filme aus, die Tanz in den Mittelpunkt stellen.


Spiel, Satz, Schnitt – Montage von Sportdokumentarfilmen
Gäste: André Hammesfahr, Jürgen Winkelblech (Editoren)
Der Dokumentarfilm nimmt sich im Gegensatz zum Mediensport über die sportliche Inszenierung hinaus Zeit für die Protagonisten. Spiegelt sich dennoch der Kanon gängiger medialer Bilder und Schnittfolgen in Kinodokumentarfilmen über Sportler? Welche eigenständigen Akzente setzen sie, wo bedienen sie sich der klassischen Mittel zur Steigerung der Dramatik, wo wird bewusst konterkariert? Wie wird der Kontext eben jener klassischen, im Kern immer der Narration von Gewinnen und Verlieren oder einer spezifischen Athletenkarriere dienenden Montagesequenzen erweitert oder umgewertet?
Der von Jürgen Winkelblech montierte Film Herbstgold porträtiert fünf Athleten – alle zwischen 80 und 100 Jahre alt – in der Vorbereitung auf die Leichtathletik-WM der Senioren in Finnland. Die Verbindung vertrauter athletischer Bewegungen mit von Verfall und Leistungsschwund geprägten Körpern macht aus gewohnten Sequenzen von Training und Wettkampf einen Wettlauf gegen die Zeit und stellt ungewöhnliche Fragen. Auch André Hammesfahrs Montagearbeit Nowitzki. Der perfekte Wurf ist mehr als eine Reise durch die Stationen eines Sportlerlebens: Aus den vielfältigen Möglichkeiten des Materials wurde die titelgebende Bewegung des von Nowitzkis langjährigem Trainer Holger Geschwindner entwickelten „perfekten Wurfs“ zur filmischen Kernerzählung rund um eine ungewöhnliche Freundschaft destilliert.


Moderation der Panels und Kuratierung des Themenschwerpunkts: Kyra Scheurer.


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