© Juliane GuderNews
Die Schnitt Preise 2026
Nach vier intensiven Festivaltagen endete am Montag, den 19. Oktober 2026, die 26. Ausgabe von Edimotion – Festival für Filmschnitt und Montagekunst. Im Filmforum NRW im Museum Ludwig in Köln wurden feierlich die Schnitt Preise 2026 für Spielfilm, Dokumentarfilm und Kurzfilm vergeben. Den Ehrenpreis Schnitt erhielt Karina Ressler.
Filmstiftung NRW Schnitt Preis Spielfilm 2026
Der mit 7.500 Euro dotierte Filmstiftung NRW Schnitt Preis Spielfilm ging an Gesa Jäger für die Montage von Gelbe Briefe. Die Jury, bestehend aus Barbara Albert, Rami Hamze, Christine Kiauk, Julia Kovalenko und Felix von Muralt, begründete ihre Entscheidung wie folgt:
„In einer scheinbar klaustrophoben Welt ist es die Montage, die Räume öffnet. Die die Vielfalt an Figuren und deren innere Zerrissenheit virtuos dirigiert, sie gegeneinander stellt, kämpfen, handeln oder resignieren lässt. Der Film nimmt uns intellektuell wie emotional mit auf eine Reise, die uns mit unserer eigenen Haltung gegenüber politisch-gesellschaftlichen Fragestellungen und Veränderungen konfrontiert. In dieser Auseinandersetzung schafft der Film besonders durch seine präzise Montage, sowohl auf Bild- als auch auf Tonebene, eine große Nähe zu den Figuren, die bleibt.“
Bild-Kunst Schnitt Preis Dokumentarfilm 2026
Der ebenfalls mit 7.500 Euro dotierte Bild-Kunst Schnitt Preis Dokumentarfilm wurde an Jana Dugnus verliehen, für die Montage von Im Prinzip Familie. Die Jury, bestehend aus Udo Beissel, Gabriela Betschart, Hannes Bruun, Knut Elstermann und Irene Langemann, begründete dies so:
„Die herausragende Montageleistung dieses Films führt uns vom ersten Moment an in den Mikrokosmos der Protagonist*innen, die uns sehr nahekommen. Sie lässt uns teilhaben am Leben dieser Menschen – eine Montage, die eng an den emotionalen Bögen der Figuren bleibt und zugleich assoziative Freiflächen für eigene Reflektionen lässt. Der Film ist aus einem Guss, seine Montage verdichtet klug den Alltag der Kinder und ihrer Betreuer*innen, wodurch eine klare Dramaturgie und Empathie entstehen. Das ist bestes, sozial genaues, berührendes und poetisches Geschichten-Erzählen! Mit Feingefühl, Diskretion und Respekt vor den Protagonist*innen verbindet die Editorin konkrete Beobachtungen mit der gesellschaftlichen Dimension, mit den großen Fragen nach Erziehung und Geborgenheit, die noch lange nachhallen.“
Förderpreis Schnitt 2026
Der mit 2.500 Euro dotierte Förderpreis Schnitt ging an Anjuna Hartmann für die Montage des Kurzfilms From Ecuador With Love. Die Auszeichnung wurde gemeinsam von beiden Langfilm-Jurys vergeben:
„Die Rose wird zum Produkt, hineingepresst in kapitalistische Verwertungsprozesse. Wir erleben in einer eindrucksvollen Montage den gesamten industriellen Verarbeitungsvorgang des Symbols der Liebe. Bild- und Tongestaltung finden einen gemeinsamen Rhythmus und machen deutlich, dass hier eine eingetaktete, zweckbrutale Arbeit stattfindet. In der visuellen Abstraktion und kompromisslosen Verdichtung weist der Film über sich hinaus und wird zur eindringlichen Metapher.“
Ehrenpreis Schnitt 2026
Mit dem Ehrenpreis Schnitt wurde die Österreicherin Karina Ressler ausgezeichnet, in Würdigung ihres filmischen Lebenswerkes.
Karina Ressler ist eine der prägenden Editorinnen des europäischen Autorenkinos. Seit mehr als drei Jahrzehnten arbeitet sie mit Regisseur*innen wie Jessica Hausner, Götz Spielmann, Barbara Albert, Sabine Derflinger, David Schalko und Patric Chiha zusammen. Dreimal erhielt sie den Österreichischen Filmpreis für den Besten Schnitt, und als Professorin für Montage an der Hochschule für Fernsehen und Film München prägte sie eine neue Generation von Editor*innen. Jessica Hausner, seit Hotel (2003) ihre künstlerische Wegbegleiterin, würdigte in ihrer Laudatio den gemeinsamen Mut zum Eigensinn: „Ich glaube, wir wollen uns nicht auf bestimmte Konventionen verlassen, sondern wir wollen künstlerisch arbeiten und wir wollen etwas erfinden.“ Sechs Filme haben die beiden inzwischen zusammen gemacht, und für Hausner entsteht ein Film im Schneideraum: Dort wünsche sie sich, dass Ressler das Material neu bewertet, mit einem Blick, „als würde das Material nicht aus einem Drehbuch stammen“. Ressler sei dabei „eine sehr tolle Partnerin in Crime“.
Junge Jury 2026
Ermöglicht durch die Unterstützung der Imhoff Stiftung, zeichnete auch die Junge Festivaljury – bestehend aus 10 filminteressierten Jugendlichen im Alter von 16 bis 18 Jahren – herausragende Montageleistungen in den Langfilmwettbewerben aus.
Spielfilm:
Den Preis erhielt Hansjörg Weißbrich für Rose. Die Junge Jury Spielfilm, bestehend aus Vincent Bacher, Bjarne Dirks, Arnas Selenis, Pia Tvrtković und Niklas Witte, würdigte:
„Die Montage führt uns behutsam in die Gefühlswelt der Hauptfigur ein. Sie lässt uns auf ihre wachsende Sicherheit vertrauen und hält zugleich das Wissen um die lauernde Gefahr wach. Diese Ambivalenz wird durch die gelungene Kombination der einzigartigen, und aufgrund dessen natürlichen Einstellungen ermöglicht. Besonders die stillen Szenen verleihen dem Film Intensität und Tiefe. Ein Film, der jeder Szene Atem schenkt. Der Editor hat den Mut, auch lange Szenen nicht ihrer Macht zu berauben und ihnen Tragkraft zu zutrauen. Trotz des schwarzweißen Stils wirkt der Film nicht leblos, sondern blüht in jedem Bild auf. Die Montage kreiert eine Lebendigkeit, die das Publikum in ihren Bann zieht.“
Dokumentarfilm:
Ausgezeichnet wurden Kathrin Schmid und Laura Coppens für Sedimente. Begründung der Jungen Jury Dokumentarfilm, bestehend aus Bruno Bärmann, Leon Dell, Julia Kamin, Pelle Mordhorst und Silvia Schumacher:
„Ein Thema, das jedem Jugendlichen aus den Ohren hängen sollte, schafft der Gewinnerfilm neu zu verpacken. Durch eine humorvolle Stimmung, das Einbinden von Interview- und Archivmaterial und persönliche Erfahrungen, kreiert die Montage eine spannungsreiche Erzählstruktur. Die langsam aufkommende persönliche Bindung zum Protagonisten hat uns als Jury ein warmes und verständliches Gefühl vermittelt und die Geschichte nahbarer gemacht. Wiederkehrende Zitate, und die Zwischenschnitte von historischen Momenten und Umgebungen, erzeugen eine intensive Atmosphäre, die uns gefesselt hat. In Verbindung mit den familiären Erfahrungen schaffen die Editorinnen eine Geschichte, die uns von Anfang bis Ende in den Bann gezogen hat.“