EdiMotion15. – 18. Oktober 2021

Filme

BERLIN ALEXANDERPLATZ

Wettbewerb Filmstiftung NRW Schnitt Preis Spielfilm

Alfred Döblin‘s Großstadtroman auf das 21. Jahrhundert übertragen: Francis hat den Untergang seines Flüchtlingsbootes überlebt; seine Geliebte Ida jedoch nicht. Am Strand schwört er sich, von nun an ein anständiges Leben zu führen. Doch in Berlin angekommen, gerät er unter den Einfluss des heimtückischen Reinhold, dem es gelingt, Francis in seine kriminellen Geschäfte zu verstricken. Als Dealer macht Francis zwar Karriere, beeindruckt damit auch Reinholds Chef Pums, und findet sogar Liebe bei der Prostituierten Mieze, in deren Wohnung er nach einer schweren Verletzung aufgepäppelt wird. Aber seine zerstörerische Hassfreundschaft mit Reinhold zieht ihn immer wieder in einen Strudel von Gefahren hinab.

DE, NLD 2020. Montage: Philipp Thomas. Regie, Buch: Burhan Qurbani. Buch: Martin Behnke. Kamera: Yoshi Heimrath. Musik: Dascha Dauenhauer. Ton: Simone Galavazi, Michel Schöpping. Produktion: Sommerhaus Filmproduktion (DE), Lemming Film (NLD). Schauspiel: Welket Bungué, Jella Haase, Albrecht Schuch, Joachim Król, u.a. Verleih: Entertainment One Germany Verleih München.
183 Minuten. Kinostart: 16. 7. 2020 (DE)

DAS NEUE EVANGELIUM

Wettbewerb Bild-Kunst Schnitt Preis Dokumentarfilm

Die Hybridform aus Historiendrama, Dokumentarfilm, politischem Theater, Making-of und Aktionskunst stellt die Frage, wie Jesus angesichts von Flüchtlingskrisen und Ausbeutung heute agieren würde: Als Sozialrevolutionär und Widerstandskämpfer, der gegen die skandalösen Verhältnisse auf italienischen Tomatenfeldern kämpft – und Protagonist Yvan Sagnet ist genau das auch im realen Leben, wie auch die Apostel echte Betroffene sind, vom Land- bis zur Sexarbeiterin. In Matera, einem dem Kinopublikum durch legendäre Bibel-Filme vertrauten Ort, treffen sich die Ebenen: Die Mitwirkung von Pasolinis Jesus-Darsteller und Mel Gibsons Mater Dolorosa sowie das routiniert-befremdliche Casting-Gebaren der lokalen Bevölkerung zeigen, wie nah cineastischer Glanz und Elend der Geflüchteten beieinander liegen.

DE, CH, ITA 2020. Montage: Katja Dringenberg. Regie, Buch: Milo Rau. Kamera: Thomas Eirich-Schneider. Musik: Vinicio Capossela, Ras Bamba, Elia Rediger. Ton: Marco Teufen, Julian Joseph, Guido Keller, Dieter Lengacher. Schauspiel: Yvan Sagnet, Papa Latyr Faye, Samuel Jacobs, Marcello Fonte, Enrique Irazoqui, Maia Morgenstern, u.a. Produktion: Fruitmarket GmbH (DE), Langfilm - Bernard Lang AG (CH), IIPM – International Institute of Political Murder (DE), Fondazione Matera Basilicata (ITA), SRF, ZDF/arte. Verleih: Port au Prince Berlin.
107 Minuten. Kinostart: 17. 12. 2020 (DE VoD)

DAS SPIEL

Wettbewerb The Edit Space Förderpreis Schnitt

Fußball vor der Pandemie: Fans fiebern dicht an dicht gedrängt auf den Tribünen mit. Die Emotionen schlagen hoch, auch auf dem Platz protestieren aufgebrachte Spieler, Kommentatoren ereifern sich in ihre Mikrophone, Linienrichter überprüfen hektisch ihre Entscheidungen. Prellbock all der Emotionen: Der Schiedsrichter Fedayi San. Das 90-minütige Spiel Bern gegen Luzern wird auf 17 Minuten Dokumentarfilm verdichtet und bietet neben echter Stadionatmosphäre Aufschluss über gut gehütete Geheimnisse des Ballsports: Was genau ruft der Schiri auf dem Platz, wie reagieren die Spieler verbal?

CH 2020. Montage: Rolf Hellat, Roman Hodel. Regie: Roman Hodel. Kamera: Lukas Gut. Ton: Oscar van Hoogevest, Maurizius Staerkle Drux. Produktion: Ensemble Film.
17 Minuten.

ECHO PARK

Hommage Ehrenpreis Schnitt

In dem heruntergekommenen Stadtteil Echo Park leben im Los Angeles der 1980er-Jahre vor allem Migranten aus allen Teilen der Welt. Nur hier findet der mittellose Pizzalieferant Jonathan (Tom Hulce) ein bezahlbares Zimmer zur Untermiete. Seine Mitbewohner sind der österreichische Sportfanatiker August (Michael Bowen), der gerne Filmstar werden möchte, genau wie sein Idol Arnold Schwarzenegger. Außerdem die junge Mutter May (Susan Dey), die mit zweifelhaften Stripp-Jobs versucht, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, während sie auf den großen Durchbruch als Schauspielerin hofft. Als der sensible Jonathan sich in May verliebt, droht das zarte Gefüge der tatsächlichen und erhofften Lebenswelten der drei Freunde zu zerbrechen… Hauptdarsteller Tom Hulce war gerade für seine Titelrolle in Miloš Formans Amadeus (1985) für einen Oscar nominiert worden, als Echo Park seine erfolgreiche Kinoauswertung in Österreich begann. Der Film markiert die erste von vielen weiteren Zusammenarbeiten von Editorin Ingrid Koller und Regisseur Robert Dornhelm.

AT/USA 1985. Montage: Ingrid Koller. Regie: Robert Dornhelm. Buch: Michael Ventura. Kamera: Karl Kofler. Musik: David Ricketts. Ton: Stephan von Hase, Charlotte Schwarz, Karl Schlifelner, Jonathan Stein. Produktion: Wien-Film, Walter Shenson Productions. Schauspiel: Susan Dey, Tom Hulce, Michael Bowen, Christopher Walker, Cheech Marin, Heinrich Schweiger u. a. Verleih: Sascha-Verleih.
88 Minuten. Kinostart: 15.11.1985 (AT)

Freitag, 15.10.2021, 20:00 Uhr, Filmforum im Museum Ludwig

EIN KLEINER SCHNITT

Wettbewerb The Edit Space Förderpreis Schnitt

Die junge Herzogin Sophie ist empört: In Ermangelung eines Stammhalters wurde die stolze Preußin zum Gespött des Volkes. Doch sie ist sicher, an ihr liegt es nicht. Nun soll es Finanzdirektor Israel Rubenstein richten und mit dem hitzköpfigen Herrscher über die Erfüllung der ehelichen Pflichten sprechen. Umständlich versucht er, Herzog Wilhelm metaphorisch die Problematik einer Vorhautverengung zu erklären, doch der fürchtet gleich, sein Gemächt solle gänzlich amputiert werden. Sophie zwingt Rubenstein, die Vorzüge einer Beschneidung schließlich drastisch zu verdeutlichen.

DE 2020. Montage: Vreni Sarnes. Regie: Marleen Valien. Buch: Mathis van den Berg. Kamera: Max Rauer. Ton: Johann Meis, Julian Berg. Musik: Jonas Vogler. Schauspiel: Josephine Thiesen, Konrad Singer, Louis Hofmann. Produktion: Filmakademie Ludwigsburg, La Fémis.
9 Minuten.

FISCHE

Wettbewerb The Edit Space Förderpreis Schnitt

Im Inneren eines bunt schimmernden Aquariums schwimmen munter Goldfische. Um das Aquarium herum ist es nicht weniger bunt: Im typisch österreichischen Chinarestaurant überlagern sich zwischen Kitsch und Glückskeks die Gespräche eines schieflaufenden Dates, zweier Machos, die die Bedienung zur Weißglut treiben und eines Vaters, der die Hausaufgaben seiner Tochter zu verbessern versucht. All diese kleinen Dramen an den Nachbartischen bleiben unbemerkt von zwei Geschwistern, die sich nach dem Tod der Mutter zum ersten Mal wieder begegnen. Sprachlosigkeit, Fremdheits- und Schuldgefühle stehen der Kommunikation am altvertrauten Ort im Weg – kann ein Goldfisch die konfliktbeladene Beziehung kitten?

AT 2020. Montage: Philipp Mayer. Regie und Buch: Raphaela Schmid. Kamera: Simone Hart. Ton: Jón Geirfinnson, Ken Rischard, Theda Schifferdecker, Luzia Johow, Alexander Koller. Schauspiel: Julia Franz Richter, Roman Binder, Marlene Hauser. Produktion: Filmakademie Wien.
17 Minuten.

I'LL BE YOUR MIRROR

Wettbewerb Bild-Kunst Schnitt Preis Dokumentarfilm

Dieses dokumentarische Roadmovie hinterfragt in Form biographischer Spurensuche gesellschaftliche Vorurteile und Tabus: Wie lässt sich Mutterschaft mit Selbstverwirklichung vereinbaren? Ausgelöst durch die Einladung zu einem Oxford-Kunststipendium spielt die Regisseurin mit dem Gedanken, Kinder und Mann zu verlassen, um sich ganz der Kunst zu widmen. An sich zweifelnd, helfen Begegnungen mit der eigenen Mutter, großfamiliäre Muster zu entschlüsseln und zu verstehen, wie Träume genau wie Traumata transgenerational weitergegeben werden. Angesichts der Vielzahl künstlerisch begabter Frauen, die ihre Kinder verließen, und als Väter abwesender Männer in ihrer Familie findet die Filmemacherin zu ihrer individuellen Antwort auf die gesellschaftlich noch unbeantwortete Frage.

CH 2019. Montage: Rune Schweitzer. Regie, Buch: Johanna Faust. Kamera: Ute Freund, Johanna Faust, Jeremias Holliger. Musik: Fred Frith. Ton: Ulla Kösterke, Jeremias Holliger, Pedro Haldemann, Peter von Siebenthal. Produktion: Soap Factory. Verleih: Cineworx Basel.
91 Minuten. Kinostart: 29. 4. 2021 (Deutschschweiz)

HINTERHOLZ 8

Hommage Ehrenpreis Schnitt

Der gutmütige Wiener Herbert Krcal möchte sich mit seiner Familie den Traum vom Eigenheim erfüllen. Nur günstig muss es sein. Bei einem Spaziergang im Wienerwald entdecken die Krcals ein halb verfallenes Bauernhaus, es trägt die Adresse “Hinterholz 8”. Viele schlechte Ratschläge von Handwerkern, Arbeitskollegen, Bankberatern und einem undurchsichtigen Bürgermeister später, hat Herbert das Haus gekauft und beginnt mit den Renovierungsarbeiten, die sich schnell als absoluter, lebensbedrohlicher Albtraum entpuppen werden. Dieses Haus und seine Geschichte haben noch einige “Leichen im Keller”… Hinterholz 8, mit Star-Kabarettist Roland Düringer in der Hauptrolle, ist der bis heute erfolgreichste einheimische Spielfilm in Österreich und genießt absoluten Kultstatus. So wie viele weitere Filme, die Ingrid Koller mit Regisseur und Drehbuchautor Harald Sicheritz realisierte.

AT 1998. Montage: Ingrid Koller. Regie: Harald Sicheritz. Buch: Harald Sicheritz, Roland Düringer. Kamera: Walter Kindler. Musik: Peter Herrmann, Lothar Scherpe. Ton: Martin Kreiner, Karoline T. Heflin, Walter Amann, Hannes Eder. Produktion: Dor Film Produktionsgesellschaft. Schauspiel: Roland Düringer, Nina Proll, Rudolf Rohaczek, Wolfgang Böck, Alfred Dorfer u. a. Verleih: Filmladen.
105 Minuten. Kinostart: 18.9.1998 (AT)

LEAVERS

Wettbewerb The Edit Space Förderpreis Schnitt

Dover am 31. Januar 2020: Um 23 Uhr wird Großbritannien die Europäische Union verlassen. Wie ist die Stimmung in der kleinen Hafenstadt im Süden Englands, die bestimmt ist vom Grenzverkehr? Der Blick auf die Fähre nach Calais, die Reporter am Kai - die Bevölkerung in sich leerenden Fischläden, Friseursalons und Pubs scheint davon unberührt. Ob man Boris-Johnson-Pappmaske beim Karaoke trägt, oder einfach mit dem Hund rausgeht, die politische Dimension der bevorstehenden Veränderung interessiert hier weder Remainers noch Leavers nachhaltig.

CH 2020. Montage: Selin Dettwiler. Regie: Kezia Zurbrügg. Kamera: Linus Rieser, Christina Welter, Nathalie Kamber. Ton: Kathleen Moser, Oswald Schwander. Musik: Moritz Widrig, Janos Mijnssen. Produktion: Kezia Zurbrügg.
18 Minuten.

LOVE ME TENDER

Wettbewerb Filmstiftung NRW Schnitt Preis Spielfilm

Seconda ist Tänzerin, und über 30, aber wohnt noch bei ihren Eltern. Seit einigen Monaten geht sie keinen Schritt mehr aus dem Haus. Unverarbeitete Traumata haben sich zu einer Phobie vor der Außenwelt verfestigt. Mit trotzig choreografierten Ausdruckstanz hält sie sich in der kleinen Wohnung fit. Aber als erst ihre Mutter stirbt, dann ihr Vater die Flucht ergreift, und schließlich selbst der Vorrat an Katzenfutter zur Neige geht, sieht sie sich gezwungen, ihre Ängste irgendwie zu überwinden. Ihrer Menschenscheu bleibt sie dabei größtenteils treu, und durchbricht den selbstauferlegten „Lockdown“ auf eigenwillige und aberwitzige Weise.

CH 2019. Montage: Paola Freddi. Regie, Buch: Klaudia Reynicke. Kamera: Diego Romero Suarez-Llanos. Musik: Zeno Gabaglio, Klaudia Reynicke. Ton: Christophe Giovannoni, Gautier Isern, Xavier Lavorel, Maxence Ciekawy. Produktion: Amka Films. Schauspiel: Barbara Giordano, Antonio Bannò, Gilles Privat, Maurizio Tabani, u.a. Verleih: First Hand Films Verleih Zürich.
83 Minuten. Kinostart: 11. 6. 2020 (Deutschschweiz)

NACKTE TIERE

Wettbewerb Filmstiftung NRW Schnitt Preis Spielfilm

Irgendwo auf dem Land in Brandenburg: Katja, Sascha, Benni, Laila und Schöller verbringen den letzten Winter vor der Abiturprüfung weitgehend ohne elterliche Aufsicht. Die Freundes-Clique hängt lieber bei dem grüblerischen Benni ab, der schon sein eigenes Plattenbau-Apartment hat, als sich Zuhause mit den Eltern rumzuärgern. Katja und Sascha stürzen sich leidenschaftlich ins Jiu-Jiutsu-Training; auch außerhalb der Sporthalle ist körperliche Aggression ihre bevorzugte Kommunikationsform, mit der sie sogar Zärtlichkeit und Verbundenheit ausdrücken. Schröder und Laila versuchen unterdessen, ein möglichst „normales“ Paar zu sein. Mit kleinen Sticheleien und spielerischem Gerangel pirschen sich alle fünf an Lebensthemen und die ungewisse Zukunft heran.

DE 2020. Montage: Jessica Schneller. Regie, Buch: Melanie Waelde. Kamera: Fion Mutert. Ton: Robert Fuhrmann. Produktion: Czar Film. Schauspiel: Marie Tragousti, Sammy Scheuritzel, Michelangelo Fortuzzi, Luna Schaller, Paul Michael Stiehler, u.a. Verleih: déjà–vu Filmverleih Hamburg.
84 Minuten. Kinostart: 17. 9. 2020 (DE)

REGELN AM BAND, BEI HOHER GESCHWINDIGKEIT

Wettbewerb Bild-Kunst Schnitt Preis Dokumentarfilm

In der westdeutschen Provinz kämpfen bei Deutschlands größtem Schweineschlachtbetrieb Tönnies osteuropäische Leiharbeiter*innen ums Überleben und Aktivist*innen mit den Behörden. Parallel probt eine Münchner Gymnasialklasse Brechts „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ und begreift langsam die Mechanismen des Kapitalismus. Auch den Fall einer Leiharbeiterin, die ihr Kind heimlich in einer Garage bekommen hat, rekonstruiert dieser filmische Essay über Arbeitsmigration und Moral, der die Medien Theater, Journalismus und Film mitdenkt ohne ihre Erzählkonventionen zu bedienen.

DE 2020. Montage: Urte Alfs, Yulia Lokshina. Regie, Buch: Yulia Lokshina. Kamera: Zeno Legner, Lilli Pongratz, Noah Schuller. Ton: Yulia Lokshina, Andrew Mottl, Christoph Merkele. Produktion: wirFILM, HFF München. Verleih: JIP Film & Verleih Frankfurt am Main.
92 Minuten. Kinostart: 22.10.2020 (DE)

ROCKS

Gastland United Kingdom

Die Londoner Teenagerin Shola plaudert, rappt und tanzt mit ihren Schulfreundinnen nach dem Unterricht ausgelassen durch die Gegend; alle nennen sie “Rocks”. Doch zu Hause ist nicht alles so einfach. Eines Tages ist ihre depressive, alleinerziehende Mutter wieder einmal verschwunden und sie muss alleine auf ihren kleinen Bruder Emmanuel aufpassen. Immer verzweifelter versucht sie, diese bittere Realität zu verdrängen und nach außen, für ihre Freundinnen und Nachbarn und gegenüber jedem neugierigem Blick, eine Fassade aufrecht zu erhalten. Doch diesmal kommt ihre Mutter nicht wieder. Die Tage ziehen ins Land, das Geld geht aus, der Strom wird abgestellt und die Sozialhelfer*innen klingeln an der Tür. Rocks muss eine schwierige Entscheidung treffen und flüchtet mit ihrem kleinen Bruder aus dem Plattenbau...

UK 2019. Montage: Maya Maffioli. Regie: Sarah Gavron. Buch: Theresa Ikoko, Claire Wilson. Kamera: Hélène Louvart. Musik: Emilie Levienaise-Farrouch. Ton: Yves-Marie Omnes, Michael Maroussas, Gunnar Óskarsson, Paul Cotterell, Max Walsh. Produktion: Fable Pictures, British Film Institute (BFI), Film 4. Schauspiel: Bukky Bakray, Kosar Ali, D'angelou Osei Kissiedu, Shaneigha-Monik Greyson, Ruby Stokes u. a. Verleih: Altitude Film Entertainment.
93 Minuten. Kinostart: 18.9.2020 (UK)

SCHLINGENSIEF – IN DAS SCHWEIGEN HINEINSCHREIEN

Wettbewerb Bild-Kunst Schnitt Preis Dokumentarfilm

Wie sehr die künstlerische Stimme des 2010 mit 49 Jahren verstorbenen Film-, Theater- und Aktionskünstler Christoph Schlingensief fehlt, zeigen zu zwei Filmstunden verdichtete Interviews, Filmszenen, Performance-Footage, Backstage- und Making of-Momente, in Kombination mit den frühen Super 8-Filmen des Vaters, deren unbeabsichtigte Doppelbelichtungen die Initialzündung zu Schlingensiefs filmischer Inspiration wurden. Bettina Böhler, die in den 1990er-Jahren für Schlingensief zwei Filme schnitt, konzentriert sich ganz auf dessen Kernthemen: auf die unerschöpflichen Hassliebe zu Deutschlands Hochkultur und Kleinbürgertum, zu dem Schlingensief immer auch sich selbst zählte, auf Nationalsozialismus und Rassismus damals wie heute, auf Inklusion und Provokation jenseits von Zynismus.

DE 2020. Montage, Regie & Buch: Bettina Böhler. Musik: Helge Schneider. Ton: Daniel Iribarren, Adrian Baumeister. Produktion: Filmgalerie 451. Verleih: Weltkino Leipzig.
125 Minuten. Kinostart: 20.8.2020 (DE)

SUITE

Wettbewerb The Edit Space Förderpreis Schnitt

Vorgetäuschtes Leben: Nach EU-Recht kann ein Schuldner das Insolvenzverfahren in einem beliebigen europäischen Land durchlaufen, sofern er dort in einer Wohnung angemeldet ist. Infolgedessen spielt ein Angestellter einer Steuerkanzlei das Leben reicher, in Bedrängnis geratener Schweizer Mandanten in einer Wohnung nach. Zwischen possierlicher Modelleisenbahn, Bataillonen von Glühbirnen, pflegeleichtem Schuppenkriechtier und partytauglicher Musikanlage sorgt er für entsprechenden Stromverbrauch und Außenwahrnehmung.

D 2021. Montage: Famil Aghayev, Fabio Thieme. Regie und Buch: Fabio Thieme. Kamera: Polina Georgescu. Musik: Carlo Coolfutschi, Ritter Gluck. Ton: Yannick Pernot. Schauspiel: Ikko Masuda. Produktion: Serkalo Filmproduktion.
12 Minuten.

THE BUBBLE

Wettbewerb Bild-Kunst Schnitt Preis Dokumentarfilm

„The Villages“ verfügen als größte Seniorenstadt der Welt über exklusive Parks, Schwimmbäder, Tennis- und Golfplätze, eigene Supermärkte und Bars, Events und 3000 Freizeitangebote von Bauchtanz bis Synchronschwimmen. Man fährt mit Golfwagen umher, schlürft Drinks in fast identischen Vorgärten – nur Friedhöfe gibt es nicht und wenn die Ambulanz kommt, dann mit ausgeschalteter Sirene. Denn die rund 150.000 alten weißen Männer und Frauen in dieser „Bubble“ machen sich lieber keine Gedanken über Tod, Verfall, Generationskonflikte, Umweltschäden durch die Riesensiedlung oder auch über die Risse in ihrem ideologisch dank eigener Zeitung und zu Fox gehörigem Radio klar positionierten Mikrokosmos. Die angrenzenden Gemeinden kämpfen derweil um Reste von Unabhängigkeit und gegen weitere Expansion der Siedlung.

CH, AT 2021. Montage: Nela Märki. Regie, Buch: Valerie Blankenbyl. Kamera: Joe Berger. Musik: Adam Lukas, Thomas Obernosterer. Ton: Benoît Barraud, Jacques Kieffer. Produktion: Catpics (CH), Golden Girls Film (AT). Verleih: Cognito Films Zürich.
92 Minuten. Kinostart: 29. 4. 2021 (Deutschschweiz)

THE TROUBLE WITH BEING BORN

Wettbewerb Filmstiftung NRW Schnitt Preis Spielfilm

Die 10-jährige Elli lebt alleine mit Georg zusammen, den sie Papa nennt. Doch sie ist ein Android, mit allerlei Satzfetzen einer niedlichen Mädchenstimme programmiert, um Georg als Ersatz für seine unter unklaren Umständen verloren gegangene Tochter zu dienen. Tagsüber spielt Elli im weitläufigen Garten oder schwimmt im Pool; Abends posiert sie keck in den neuen Kleidern, die Georg für sie besorgt hat. Die brüchige Simulation von Erinnerungen paart sich mit einer zunehmend verstörenden Gegenwart, bis Elli eines Nachts abhaut, um einem geisterhaften Echo im nahegelegenen Wald nachzugehen. Sie wird von einem anderen Mann aufgelesen, der umgehend beschließt, ihr eine neue Identität zu verpassen.

AT, DE 2020. Montage: Hannes Bruun. Regie, Buch: Sandra Wollner. Buch: Roderick Warich. Kamera: Timm Kröger. Musik: David Schweighart, Peter Kutin. Ton: Johannes Schmelzer-Ziringer, Peter Kutin, Simon Peter. Produktion: Panama Film (AT), The Barricades (DE), Filmakademie Baden-Württemberg (DE). Schauspiel: Lena Watson, Dominik Warta, Ingrid Burkhard, Jana McKinnon, Simon Hatzl, u.a. Verleih: Filmdelights Verleih Wien.
94 Minuten. Kinostart: 18.6.2021 (AT)

WANDA, MEIN WUNDER

Wettbewerb Filmstiftung NRW Schnitt Preis Spielfilm

Josef, der Patriarch der gutbetuchten Schweizer Familie Wegmeister-Gloor, ist pflegebedürftig. In seiner Villa am See lässt er sich am liebsten von der Polin Wanda betreuen. Die braucht dringend Geld um daheim ihre beiden Kinder und ihre Eltern zu unterstützen. Dafür nimmt sie einiges in Kauf: Josefs Ehefrau Elsa, die Wanda auch im Haushalt einspannen will; den immer noch im Elternhaus lebenden Sohn Gregi, der nach Wanda schmachtet; die Besuche der besserwisserischen Tochter Sophie. Und sie nimmt nächtliche „Sonderleistungen“ in Kauf, die Josef ihr mit Hilfe von Sonderzahlungen schmackhaft macht. Als Wanda überraschend schwanger wird, stürzt die aus Lebenslügen gezimmerte Familienfassade ein.

CH 2020. Montage: Kaya Inan. Regie, Buch: Bettina Oberli. Buch: Cooky Ziesche. Kamera: Judith Kaufmann. Musik: Erol Sarp, Lukas Vogel. Ton: Hugo Poletti, Manu Gerber, Jacques Kieffer. Produktion: Zodiac Pictures. Schauspiel: Agnieszka Grochowska, Marthe Keller, André Jung, Birgit Minichmayr, Jacob Matschenz, Anatole Taubman, u.a. Verleih: Filmcoopi Verleih Zürich, X Verleih
111 Minuten. Kinostart: 3. 6. 2021 (Deutschschweiz), 27.01.2022 (DE)

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