Motion Club

Festivaltermin: 16. – 19. Oktober 2026

THEMENSCHWERPUNKT 2026: What’s New, Editing?

Seit 26 Jahren ist es das Ziel unseres Festivals, die Kunst der Montage und ihre Protagonist*innen sichtbar zu machen und den Anliegen des Berufsstands der Editor*innen Gehör zu verschaffen. In verschiedenen Ausprägungen des Berufs, über Montage-Generationen hinweg und hinein in andere Gewerke möchten wir den Diskurs über Filmschnitt anstoßen und Netzwerke befördern – nicht zuletzt hat sich aus dem ersten International Filmeditors Forum (IFEF) bei unserem Festival der editorische Dachverband TEMPO gegründet.

What’s New, Editing? - KI, Games und Verticals zwischen Hype und Praxis

Neue Technologien und Formate haben das Kino und mit ihm die Montage seit jeher verändert. Doch selten folgen Innovationen so schnell aufeinander wie heute – und selten werden sie von so großen Versprechen und Befürchtungen gleichermaßen begleitet. Künstliche Intelligenz greift in etablierte Produktionsabläufe ein, Games entwickeln eigene Formen audiovisuellen Erzählens, Vertical und Micro-Drama übersetzen serielle Dramaturgie in die Logik des Smartphones. Aber was daran ist tatsächlich neu, und was verändert inwiefern die Arbeit von Editor*innen?

Der diesjährige Themenschwerpunkt „What’s New, Editing?“ nähert sich diesem Themenkomplex aus der konkreten Praxis: Am Beispiel der Serie „Back for More“ wird ausgelotet, wie KI-basiertes De-Aging das Zusammenspiel von Regie, Montage und Postproduktion verändert. Der Blick auf Game-Cinematics führt in virtuelle Räume, in denen Kamera und Inszenierung keinen physischen Grenzen unterliegen und Hidden Cuts Übergänge zwischen montierter Erzählung und interaktivem Spiel schaffen. Verticals wiederum verdichten Geschichten auf wenige Minuten, takten Hooks, Wendepunkte und Cliffhanger neu, Hochformat und neue Rezeptionsgewohnheiten werden dabei zur gestalterischen Herausforderung.

„What’s New?“ will nicht reflexhaft die nächste Revolution ausrufen, sondern auch ausloten, was mit vermeintlich Bekanntem unter veränderten Bedingungen geschieht. Denn neue Werkzeuge schaffen neue Möglichkeiten, stellen aber auch alte Fragen neu: Wer entscheidet über Rhythmus, Blick und Timing? Was geschieht mit Montage, wenn Bilder nachträglich immer stärker veränderbar werden, die Kontrolle über den Blick zeitweise an Spieler*innen übergeht oder die Aufmerksamkeit eines swipenden Multiscreen-Publikums zum bestimmenden Faktor wird?

Der diesjährige Themenschwerpunkt fragt deshalb nicht nur, was technisch möglich ist, sondern was davon für das Erzählen relevant wird. Das wirklich Neue zeigt sich womöglich nicht in einzelnen Tools oder Formaten, sondern darin, wie Editor*innen sie sich aneignen, ihre Grenzen ausloten und unter veränderten Bedingungen andere Formen des Erzählens gestalten.


Der Themenschwerpunkt wird unterstützt von KölnBusiness

Während des Festivals werden in jedem Jahr Vorträge, Podiumsdiskussionen und Praxispanels mit einem bestimmten thematischen Schwerpunkt präsentiert. Erfahrene Editor*innen, Filmwissenschaftler*innen und hochkarätige Gäste aus den Bereichen Produktion, Regie oder Institutionen wie beispielsweise der FSK und der Deutschen Filmakademie sprechen dabei gemeinsam mit den Festivalmachern und dem Publikum über praktische und theoretische Aspekte der Filmmontage.

LEVEL UP – Cut! T-Pose, Please

​​​​​​Warum Schnitt in Realtime-Cinematics anders funktioniert als im Film

Vortrag von Simon Friedrich (Lead Cinematic Artist, Metricminds; Gründer von SF3D)

Game-Cinematics sehen oft aus wie Film, doch ihre Herstellung verändert die vertraute filmische Grammatik. Shots, Coverage, Eyelines, Timing und Continuity bleiben zentrale Kategorien, Performance Capture, virtuelle Kamera und Realtime-Engine verschieben jedoch Produktionsabläufe und damit auch die Rolle der Montage - schon früh müssen Blocking, Bewegungswege und Anschlüsse für Einstellungen mitgedacht werden, die erst später entstehen.

Dabei eröffnet Realtime Freiheiten, die der klassische Filmschnitt nicht kennt: Brennweite, Kameraposition und -bewegung lassen sich nachträglich verändern, Animation und Timing anpassen. Gleichzeitig entstehen neue Einschränkungen, muss räumliche Kontinuität innerhalb einer fortbestehenden virtuellen Welt funktionieren. Beim Übergang Gameplay – Cinematic – Gameplay wechseln zudem Kontrolle über Blick, Raum und Zeit zwischen Spiel und Spieler*innen. Wo beginnt und endet Montage unter diesen Bedingungen? Und wann ist ein Cut „locked“, wenn sich das Material darunter weiterhin verändern lässt?

Simon Friedrich gibt Einblick, wie bei Games das Material erzeugt und bearbeitet wird: vom Schauspiel im Mocap-Set über Raw Mocap und Character Animation bis zu Sequencer, virtueller Kamera und finaler Cinematic. An konkreten Szenen stellt er verschiedene Produktionsstadien gegenüber und zeigt, wie sich Performance, Kamera und Schnitt wechselseitig beeinflussen.

Samstag, 17. Oktober 2026 | 16:00 Uhr
Filmforum im Museum Ludwig

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FOREVER YOUNG? - KI und De-Aging bei Back for More

Gäste: Facundo Scalerandi (Regisseur), Christoph Cepok (Editor), Julian Schleef (Head of VFX, Design & Post Production, btf)

Zwanzig Jahre nach dem Ende ihrer Boyband ‚Rise‘ versuchen vier ehemalige Teenie-Stars in „Back for More“ ein Comeback und begegnen dabei ihren jüngeren Ichs. Für die Rückblenden der ZDF-Serie wurden die heutigen Darsteller digital verjüngt, De-Aging wird somit vom reinen Schaueffekt einer technischen Spielerei hinaus zum Teil einer Erzählung, in der Vergangenheit und Gegenwart fortwährend aufeinander reagieren.

Was bedeutet ein KI-gestützter Eingriff dieser Größenordnung für die Zusammenarbeit von Regie, Montage und Postproduktion? Julian Schleef, Head of VFX, Design & Post Production bei btf, gibt Einblick in die Entscheidungsprozesse und Tests verschiedener Verfahren vor Produktionsbeginn sowie in den schließlich gewählten Workflow: Was leistet KI, wo bleiben klassische VFX, Compositing und Retusche notwendig – und welche rechtlichen Fragen stellen sich ggf. beim digitalen Zugriff auf Gesicht und Erscheinungsbild der Darsteller*innen?

Anhand konkreter Szenen aus dem Serienpiloten diskutieren Regisseur Facundo Scalerandi und Editor Christoph Cepok anschließend die Konsequenzen für Inszenierung und Schnitt. Wie lässt sich eine Performance beurteilen, deren endgültiges Erscheinungsbild erst in der Postproduktion entsteht? Schränkt die technische Machbarkeit die Auswahl von Takes, Einstellungen und Schnittpunkten ein – oder eröffnet sie der gestalterischen Gesamtidee neue Freiheiten?

„Back for More“ bietet damit auch Anlass für eine grundsätzlichere Frage: Muss umgesetzt werden, was technisch möglich geworden ist? Zwischen kreativem Gewinn, zusätzlichem Aufwand und neuen Abhängigkeiten gilt es auszuloten, wann die Technologie der Erzählung dient und wann sich die Erzählung der Technologie unterordnet.

Samstag, 17. Oktober 2026 | 17:00 Uhr
Filmforum im Museum Ludwig

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CUTTING TO THE PAYWALL - Storytelling in Vertical und Micro-Drama

Gäste: Alexander Griffith (Editor), Meriem Rebai (Regisseurin), Aenn-Sophie Siebert (Produzentin; Gründerin der Hinterhof Film & TV Productions GmbH)

In China längst Milliardenmarkt, in Deutschland noch Experimentierfeld: Vertical und Micro-Drama übertragen serielles Erzählen ins 9:16-Format und verdichten Episoden auf wenige Minuten. Frühe Hooks, hohe Ereignisdichte und eng getaktete Cliffhanger sollen ein swipendes Publikum binden – und führen auf kommerziellen Plattformen häufig zur Paywall. Doch auch dieses Geschäftsmodell ist in Bewegung, erste große asiatische Player setzen bereits verstärkt auf werbefinanzierte Angebote.

Was bedeutet die extreme Kondensierung dieses Formats für die Montage? Erzwingt die Kürze elliptischeres Erzählen oder vor allem eine höhere Dichte an Handlung und emotionalen Beats? Wie viel Material entsteht, in welchen Zyklen folgen Rohschnitt und Abnahme und wirken Nutzungsdaten auf laufende Produktionen zurück? Und wenn KI zunehmend in Entwicklung und Produktion einzieht: Welche Entscheidungen bleiben bei den Editor*innen bzw. welche Rolle spielen sie noch bei Dramaturgie und Gestaltung?

Das Panel verbindet unterschiedliche Produktionsweisen, Marktsegmente und professionelle Erfahrungen: Editor Alexander Griffith kommt aus der klassischen fiktionalen Montage und hat mit „Between the Beats“, produziert von RED PONY/Saxonia Media für Radio Bremen, eine der ersten deutschen Vertical-Serien geschnitten, Regisseurin Meriem Rebai entwickelt mit ihrer Agentur reelistiq vertikales Storytelling für Marken und Aenn-Sophie Siebert bringt Koproduktionserfahrungen aus Südkorea mit erweitert mit Hinterhof Verticals das Portfolio ihrer Film- und Fernsehproduktion um KI-gestützte Micro-Dramas.

Gemeinsam diskutieren sie, was sich von asiatischen Erfolgsmodellen übertragen lässt – und was für ein europäisches Publikum anders funktioniert. Entscheidend für die Montage ist schließlich, ob die extreme Verdichtung lediglich bekannte Techniken radikalisiert oder ob das Zusammenspiel von Hochformat, Produktionsrhythmus und Rezeptionsweise tatsächlich andere Formen des filmischen Erzählens hervorbringt.

Sonntag, 18. Oktober 2026 | 19:00 Uhr
Filmforum im Museum Ludwig

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Gäste

Christoph Cepok

Themenschwerpunkt: FOREVER YOUNG? - KI und De-Aging bei Back for More

Nach seinem Studium Digital Film & Animation an der SAE Köln arbeitete Christoph Cepok vor allem als Editor fiktionaler Serien und Filme. Zu seinen Montagearbeiten zählen „How to Sell Drugs Online (Fast)“, „Liebes Kind“, „Pauline“ und „Hundertdreizehn“. Für „How to Sell Drugs Online (Fast)“ erhielt er 2021 gemeinsam mit Rainer Nigrelli und David Wieching den Deutschen Fernsehpreis für den Besten Schnitt Fiktion; für „Liebes Kind“ wurde er gemeinsam mit Renata Salazar Ivancan mit dem DAfFNE für den Besten Schnitt ausgezeichnet. 2025 gründete er mit Rainer Nigrelli die Kölner L27 GmbH, die Konzeption, Produktion und Postproduktion audiovisueller Inhalte verbindet.

Simon Friedrich

Themenschwerpunkt: LEVEL UP – Cut! T-Pose, Please

Simon Friedrich ist Lead Cinematic Artist bei Metricminds und Gründer von SF3D Media in Wiesbaden. Er absolvierte seine Ausbildung an der PIXL VISN | Media Arts Academy in Köln und begann seine Karriere im Bereich VFX und Compositing bei Stargate Studios Cologne, wo er unter anderem an Projekten für Bugatti, Porsche und HBO Europe mitwirkte. Anschließend wechselte er zu Electronic Arts und arbeitete dort an Titeln wie Battlefield V, FIFA 19 und Need for Speed Heat. Nach mehreren Jahren in der Games-Branche ging Simon zu Metricminds, wo er seitdem an zahlreichen Cinematic-Produktionen beteiligt war, darunter Marvel’s Midnight Suns, Alone in the Dark und WWE 2K26. Bei Metricminds umfasst seine Arbeit unter anderem Cinematic Storytelling, Echtzeitproduktion, die Arbeit am Motion-Capture-Set sowie die Umsetzung von In-Game-Cinematics. Parallel dazu betreibt er SF3D Media und realisiert kommerzielle Projekte in den Bereichen Videoproduktion, 3D-Animation, Visualisierung, VFX und Echtzeitgrafik.

Alex Griffith

Themenschwerpunkt: CUTTING TO THE PAYWALL - Storytelling in Vertical und Micro-Drama

Alex Griffith, geboren und aufgewachsen in Ottawa, Kanada, studierte in New York an der Tisch School of the Arts der NYU Film. Mit seinem Umzug nach Deutschland durchlief er eine Ausbildung bei der letztjährigen Edimotion-Ehreneditorin Patricia Rommel (u.a. „Das Leben der Anderen“) und arbeitete anschließend an Streaming-Projekten wie „Barbaren“ für Netflix und „Der Greif“ für Amazon, zunächst als Assistent und später als Additional Editor. Derzeit wirkt er als Editor in Köln an einer Vielzahl von Sendungen wie „Schloss Einstein“, „Die Cooking Academy“ und der Vertical-Serie „Between the Beats“ von Red Pony mit.

Meriem Rebai

Themenschwerpunkt: CUTTING TO THE PAYWALL - Storytelling in Vertical und Micro-Drama

Meriem Rebai ist Filmregisseurin, Drehbuchautorin und Gründerin von reelistiq, der ersten Micro-Drama-Agentur Deutschlands. Nach Jahren im Langformat für Kino und Fernsehen entwickelte und inszenierte sie mit reelistiq Deutschlands erstes Micro-Drama „Aminho – The Challenge“ für Skechers und Constantin Creators mit siebenstelliger Reichweite. Sie entwickelt und produziert mit ihrem Team serielle Geschichten im Hochformat für Marken und Entertainment-Häuser, das reelistiq White Paper zu Micro-Drama für Marken, Ausgabe 2.0 wird im Herbst 2026 erscheinen.

Facundo Scalerandi

Themenschwerpunkt: FOREVER YOUNG? - KI und De-Aging bei Back for More

Der argentinische Regisseur und Drehbuchautor Facundo Scalerandi studierte an der Kunsthochschule für Medien (khm) in Köln und begann seine Karriere mit der Regie von Musikvideos und Werbefilmen, bevor er sich dem fiktionalen Erzählen zuwandte. Seine Kurzfilme wurden auf zahlreichen internationalen Filmfestivals gezeigt, größere Bekanntheit erlangte er dann durch seine Arbeit an der Netflix-Serie „King of Stonks“, für die er mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde.

Zu seinen jüngsten Regiearbeiten zählen Episoden der Netflix-Serie „How to Sell Drugs Online (Fast)“, der Disney+-Serie „Pauline“ und der Apple-Serie „Where’s Wanda?“. Zudem führte er Regie bei dem Prime Video Original-Spielfilm „Back to the 90s“.

Julian Schleef

Themenschwerpunkt: FOREVER YOUNG? - KI und De-Aging bei Back for More

Julian Schleef studierte an der Kunsthochschule für Medien Köln und gehört zum Gründungsteam der bildundtonfabrik (btf) wo er als Head of VFX, Design & Post Production zentrale Bereiche der visuellen Gestaltung und Postproduktion verantwortet. Zu den Produktionen, deren visuelle Gestaltung und Postproduktion er mitgeprägt hat, zählen Serien wie „How to Sell Drugs Online (Fast)“, „King of Stonks“ und „Pauline“ sowie zahlreiche Show-, Entertainment- und dokumentarische Formate. Für die unter Pandemiebedingungen entstandene Serie „Drinnen – Im Internet sind alle gleich“ wurde er 2021 stellvertretend für das Postproduktionsteam mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Neben klassischen Verfahren der Postproduktion beschäftigt er sich aktuell intensiv mit generativer KI und ihren Einsatzmöglichkeiten in audiovisuellen Produktionsprozessen.

Aenn-Sophie Siebert

Themenschwerpunkt: CUTTING TO THE PAYWALL - Storytelling in Vertical und Micro-Drama

Aenn-Sophie Siebert absolvierte ihren Master in Regie und Produktion an der National Film and Television School (NFTS) in London. Sie ist Produzentin und Gründerin der Hinterhof Film & TV Productions GmbH mit Sitz in Berlin, Salzburg und London, mit der sie Spielfilme und Serien für den deutschen und den englischsprachigen Markt produziert. Zuletzt hat sie sich mit ihrem Label Hinterhof Verticals auf vertikales Erzählen und Micro-Dramas spezialisiert: Nach einem Jahr in Südkorea, in dem sie verschiedene Micro-Dramas vor Ort koproduzierte, ist sie mittlerweile Partnerin von ByteDance und TikTok im Bereich KI-gestützter Micro-Dramas. Derzeit produziert sie mit Hinterhof Verticals Deutschlands erste vertikale Serie im High-End-Bereich.

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